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Als Praktikantin in der Villa Kunterbunt

Im Sommer 1996 begann ich meine Ausbildung zur Erzieherin mit einem Vorpraktikum in der Villa Kunterbunt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine genauen Vorstellungen davon, welche Bedeutung dieser Beruf für mich haben würde.

Vorpraktikum – das hieß ein ganzes Jahr lang reden, lachen, streiten, ... leben mit den Kindern, ErzieherInnen und Eltern der Villa Kunterbunt.

Mir wurde viel Zeit gelassen, eine Fülle von (neuen) Erfahrungen zu sammeln und intensiv zu erleben- mein eigenes, selbständiges Handeln stand im Vordergrund und das Gefühl, dass mir (trotz aller Unsicherheiten) Vertrauen in meine Fähigkeiten entgegengebracht wurde.

Meine Aufgabe bestand nicht darin, etwas “nachzumachen”; durch den selbständigen Umgang mit den Kindern nahm meine Sicherheit ein großes Stück zu. Auch das Beobachten bzw. Erkennen von bestimmten, auffälligen Verhaltensweisen und deren Hintergründen wurde Teil meiner Tätigkeit.

In den Teamsitzungen - das heißt in Diskussionen, Planungen, Entscheidungen et cetera, - wurde ich von Anfang an mit einbezogen. Nicht als “Zuhörerin”, sondern als aktives Teammitglied. Beiträge meinerseits fanden immer Beachtung. Im Gespräch mit den ErzieherInnen konnten diese auch ihr eigenes Denken und Handeln hinterfragen, allein durch die Frage: “Warum macht ihr das überhaupt so?”

Die Inhalte, die in der Konzeption enthalten sind, habe ich in Gesprächen und im Verhalten der ErzieherInnen stets wiederfinden können. Ich beobachtete die Arbeit des Teams und erfuhr, was “dahintersteckt”. Gleichzeitig hatte ich immer die Möglichkeit und wurde darin unterstützt, mir eine eigene Meinung zu bilden.

Auf Fragen, Anregungen, Kritik et cetera meinerseits wurde stets offen, geduldig und vor allem mit wirklichem Interesse reagiert. Diese Gleichberechtigung hatte viel Einfluß auf meine Motivation – ich hatte Freude bei und an der Arbeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Das Jahr in der Villa Kunterbunt bot mir eine unbegrenzte Fülle und Vielfalt an Möglichkeiten, - sei es im Bereich der zwischenmenschlichen Erfahrungen oder wenn es darum ging, einen pädagogischen Hintergrund zu erwerben.

Ich habe zudem viel von den Kindern dort gelernt – indem man ihnen Freiräume bietet und eigenverantwortliches Handeln unterstützt, wird man immer wieder phantasievolle, interessante und auch verrückte Anregungen, Ideen und Gedanken miterleben können.

Ausgehend davon, was ich oben beschrieben habe, empfand / empfinde ich das Vorpraktikum  in der Villa als Fundament für meine gesamte Ausbildung.

Im Sommer 1997 hieß es Abschied nehmen, was mir sehr schwer fiel. Gleichzeitig erwartete ich mit Spannung und Interesse die kommenden zwei Jahre schulischer Ausbildung. In der Villa hatte ich mir einen “Koffer” füllen können mit so vielen bunten Ideen, tiefen Eindrücken und intensiven Auseinandersetzungen, den ich nun mit mir trug und in den ich in der folgenden Zeit immer wieder “hineingreifen” konnte.

Im Frühjahr 2000 erhielt ich überraschenderweise das Angebot, mein Anerkennungsjahr in der Villa Kunterbunt anschließen zu können. Ich entschied mich für eine Bewerbung – obgleich ich es zunächst wagen wollte “Neuland” in einem anderen pädagogischen Bereich zu betreten.

Im Laufe der Ausbildung wurde ich in meiner Ansicht bestärkt, dass ich die Arbeit des Villateams sehr wertschätze und im Vergleich dazu habe ich nur selten eine so intensive Auseinandersetzung mit Kindern erlebt wie hier. Für mein Anerkennungsjahr wünschte ich mir, diese Arbeit unterstützen zu können.

Inzwischen hatte ich viele Antworten auf die Frage der Bedeutung dieses Berufes gefunden, und das zweite Jahr in der Villa ermöglichte es mir, mich und meine Vorstellungen zu überprüfen und zu festigen.

Ich arbeitete als völlig gleichberechtigtes Teammitglied und konnte lernen, mit dieser Verantwortung umzugehen, ohne damit alleine zu sein. Wie bereits im Vorpraktikum, erfuhr ich stets Unterstützung und das Interesse daran, sich mit mir und meinen Anregungen auseinanderzusetzen, sich auf neue Impulse einzulassen und diese aufzugreifen.

Ich habe die Teamarbeit während der gesamten Zeit als sehr engagiert erlebt und mich wohl bei meiner Arbeit gefühlt.

Inzwischen blicke ich auf eine intensive vierjährige Ausbildung zurück – die Hälfte der Zeit verbrachte ich in der Villa und bin froh darum. Während dieser Zeit habe ich mich verändert und auch “entwickeln” können und will DANKE sagen für all das, was ich habe er – LEBEN und mitnehmen können.

Hannah Mletzko, im Juli 2001

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Hannahs Zeichnung für einen Elternabend, an dem wir über Religion und  die Gestaltung der Vorweihnachtszeit gesprochen haben!